"24 Staffel 5"
(Yahoo / 2007)


Wie viele schlechte Tage kann ein Mensch haben?

Ich denke, dass uns die Zuschauer die Antwort geben werden. Anscheinend sind fünf ganz okay und wir werden es noch auf einen sechsten ankommen lassen. Die Entscheidung liegt ganz bei den Zuschauern. Für uns war immer das Konzept der Serie - ein Tag in Echtzeit - der Star der Show. Ich würde die Serie gerne so lange weiterdrehen, wie die Zuschauer mich sehen wollen. Aber ich glaube, dass die Serie viel länger laufen wird als ich. Wenn ich noch länger mitspiele, werde ich einen Gehstock brauchen.

Wie viele Verletzungen haben Sie in dieser Staffel davongetragen?

Eigentlich spreche ich nicht oft darüber, weil ich es nicht beschreien möchte, aber dieses Jahr ist nichts passiert.

Wie hat sich Jack Bauer auf Ihre Schauspielkarriere ausgewirkt?

Positiv. Ich hatte lange nichts mehr gedreht, weil ich nicht die Filme bekam, die ich drehen wollte, und weil ich Filme drehte, die mir nicht gefielen. Ich brauchte eine längere Pause, um herauszufinden, was ich eigentlich wollte. Ich verbrachte einige Zeit auf meinem Bauernhof, bis ich merkte, dass das nicht die Lösung war. Und ich habe das Drehen schon bald vermisst. Mir wurde klar, dass es fürs Fernsehen einige tolle Filme gab, bei denen ich Chancen hatte. Die Arbeit fürs Fernsehen ist anders. Ich las 24, das sich deutlich von anderen Serien abhob, und es war eines dieser Dinge, die entweder funktionieren oder nicht. Wenn es nicht funktioniert, dann bleibt es bei der Pilotfolge, die keiner je sehen wird. Wenn es funktioniert, dann hast du Glück gehabt. Wir hatten einfach unglaublich viel Glück. Ganz ehrlich, die Serie hat mir die Türen wieder geöffnet.

Was denken Sie, wenn man bei Kiefer Sutherland zuerst an Jack Bauer denkt?

Wenn das so ist, dann ist das völlig okay. Ich hatte das Glück, vor 24 etwa 40 Filme drehen zu können, von denen 10 Nummer 1 waren und immer noch sehr erfolgreich sind. Außerdem konnte ich in den Drehpausen neue Filme abdrehen. Wissen Sie, wenn man sich beim Gedanken an Kiefer Sutherland an 24 erinnert, dann kann ich damit leben.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen auf Ihr 18-jähriges Ich. Welchen Rat würden Sie sich mit dem Wissen von heute geben?

Meine ersten Filme habe ich mit 17, 18 Jahren gedreht: Stand by Me, The Lost Boys, Young Guns, Flatliners. Damals dachte ich: 'Toll! Das ist cool. Ich dachte, es wäre viel schwerer.' Ich wusste noch nicht, was auf mich zukommen sollte. Ich hätte mir geraten, die Zeit zu genießen und nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Das war ein Geschenk, ein absolutes Privileg, das ich in Anspruch nehmen durfte. Wenn man jung ist, dann glaubt man noch, es wäre immer so. Ich hätte mir wirklich geraten, die Zeit zu genießen und nicht alles für selbstverständlich zu halten.

Finden Sie, dass die Menschen Sie anders betrachten, seit Sie in einer Fernsehserie erfolgreich sind?

Nein, ich glaube, dass es so etwas nur vor meiner Zeit gab. Bei meinem Vater war das noch so. Damals gab es noch eine klare Trennung, die heute durch Video, DVD und 500 Kabelkanäle sehr unscharf geworden ist. Ein Fernsehbildschirm ist zwar kleiner, aber nicht mehr viel. Manche Leute haben Fernseher, deren Bildschirm größer ist als die Leinwände der kleineren Kinos. Mir ist aufgefallen, und das ist wirklich erstaunlich, dass es zu Beginn meiner Karriere sechs Studios gab, die 56 Filme im Jahr produzierten. Jetzt gibt es noch vier Studios, die zwischen 29 und 31 Filme pro Jahr drehen. Die Studios haben entdeckt, dass sich mit einem 200 Mio. $ teuren Film mehr Geld verdienen lässt als mit fünf Filmen für 40 Mio. $. Und so kamen die großartigen Spezialeffekte und extravaganten Aktionszenen ins Spiel. Filme, die mir in meiner Jugend gut gefielen, wie z.B. Vier irre Typen, Eine ganz normale Familie, Saturday Night Fever, solche Filme gibt es nicht mehr. Dafür hat das Fernsehen sehr ähnliche Erzählstrategien und Dramaturgien übernommen. HBO hat in den letzten fünf Jahren die besten Serien produziert, z.B. Die Sopranos. Solche Serien sind erst durch so innovative Serien wie ER und NYPD möglich geworden. Und auch durch Autoren wie Aaron Sorkin, dem die Produktion von Hallo, Mr. Präsident viel Spaß gemacht hat. Er hätte den Film am liebsten noch einmal gedreht. Da das keiner wollte, hat er stattdessen das Konzept von West Wing entworfen, eine fantastische Serie. Mit einem Mal fand eine Verlagerung statt, und jetzt gibt es großartig erzählte Geschichten im Fernsehen. Gut erzählte Kinofilme sind wirklich selten geworden - außer wenn es Zeit für die Oscars ist. Dann werden auch die kleinen, unabhängigen Filme mit tollen Drehbüchern bekannt, die durch diese Werbung vielleicht doch noch im Kino zu sehen sind.

Was ist Ihrer Ansicht nach Ihre beste und was Ihre schlechteste schauspielerische Leistung?

Ich denke da an Filme wie Gelobtes Land mit Meg Ryan. Das war wirklich nicht meine beste Leistung. Ich war damals noch so jung. Die Regisseure wussten zwar, wie man mit jungen Schauspielern arbeitet und sie anleitet, aber ich war doch gerade mit The Lost Boys total erfolgreich. Ich habe vier oder fünf Filme mit Joel Schumacher gedreht: Nicht auflegen!, The Lost Boys, Flatliners, Die Jury. Ich habe wirklich gerne mit ihm gearbeitet. Stand by Me mit Rob Reiner hat mir auch viel Spaß gemacht. Dieser Film mit Meg Ryan auch. Es gab Filme, bei denen ich wirklich falsch lag, z.B. Die Generation von 1969, die waren einfach nicht gut. Davon gab es einige. Ich spreche normalerweise nicht darüber, weil Freunde an solchen Filmen mitgewirkt haben. Glauben Sie mir, ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich bei vielen Filmen falsche Entscheidungen getroffen und nicht unbedingt gut gespielt habe. Aber es gab auch viele Filme, bei denen ich viel Unterstützung und Anleitung erhalten habe ... diese Filmleute haben mir viel bedeutet. Sie waren wirklich hilfreich.

Ist es als Schauspieler ein Fluch oder ein Segen, einen berühmten Hollywood-Schauspieler als Vater zu haben?

Ein Segen. Die Tatsache, dass mein Vater so erfolgreich war und so viel gedreht hat, war eine unglaubliche Hilfe. Durch meine Eltern hatte ich eine klare Vorstellung davon, was für einen Schauspieler gut ist. Ich meine, nehmen Sie Wenn die Gondeln Trauer tragen, 1900, Eine ganz normale Familie oder Stoßtrupp Gold, um einfach mal ein paar Filme zu nennen. Das sind Filme, die man als Schauspieler drehen will. So wusste ich schon als junger Schauspieler, was ich erreichen wollte und wo ich hin wollte. Viel wichtiger war aber, dass ich wusste, es geht auf und ab. Das ist meinen Vater und meiner Mutter auch passiert. Deshalb war ich schon ein bisschen darauf vorbereitet, als es mich dann traf. Ich wusste auch, das es nicht das Ende meines Lebens bedeutete. Wenn man die Nerven behält, kommt man aus einem Tief wieder heraus. So, als würde eine Welle über einen hinwegrollen, man kommt wieder an die Luft. Ich wusste das, weil meine Eltern ihren Lebensunterhalt damit verdient haben. Ich habe andere junge Schauspieler beobachtet und ihnen ist es ganz ähnlich ergangen. Irgendwie nimmt man es dann aber doch persönlich. Die anderen haben es sehr persönlich genommen, weil sie keinen Bezugspunkt hatten. Ich hatte immer einen, meinen Vater.

Was hat Ihr Vater Ihnen zu 24 gesagt?

Er ist mein Vater, er hat sich nett und freundlich verhalten. Aber ich glaube, dass ihm die Serie wirklich gefällt. Er überschlägt sich fast, damit ich mich darüber freue. Er ruft mich extra an, um mir zu sagen: "Na, ich wollte nur Hallo sagen, aber ruf mich nicht zurück, weil ich mir gerade deine Serie anschaue." Als mein Vater ist er froh darüber, dass ich Arbeit habe. Ich habe ihn angerufen und dazu gratuliert, dass seine Serie weiter produziert wird. Er hörte sich genauso an wie ich, als ich herausfand, das 24 produziert wird. Das Erste, was man bei einer Pilotfolge zu hören bekommt, ist, dass diese Dinger nie weitergedreht werden. Da macht man sich noch keine Gedanken darüber, dass man diese Serie vielleicht für die nächsten sieben Jahre drehen wird. Deshalb habe ich ihn angerufen und gratuliert. Er hörte sich ganz schön verängstigt an und sagte: "Ich dachte nicht, dass wir weitermachen würden." Ich fing an zu lachen und sagte ihm, dass es mir auch so ging und dass es ihm schon gefallen würde.

Die drei Musketiere. Haben Sie gute Erinnerungen an den Dreh?

Es war fantastisch. Es gab ein Viertel mit dem Namen Bermuda-Dreieck und einer bestimmten Rock-'n'-Roll-Bar. Ich habe zwei Monate lang versucht, diese Bar zu finden, aber es gelang mir nicht. Dabei waren es nur vier Querstraßen. Und ich dachte, ich hätte alle Bars abgeklappert.