|
"Kiefer Sutherland alias Jack Bauer" (Max / 01.09.2006)
Herr Sutherland, können Sie sich eigentlich erklären, warum "24" so erfolgreich ist?Mal abgesehen davon, dass das Echtzeitkonzept der Serie neuartig ist, glaube ich, dass sich viele einfach gut mit der Figur Jack Bauer identifizieren können. Der Typ hat eine Menge um die Ohren, reichlich Stress und lebt im ständigen Interessenkonflikt zwischen Job und Familie. Diese Rolle bedeutet mir sehr viel mehr, als mir Geld jemals bieten kann. Sie hat mir vielleicht sogar das Leben gerettet.Wie darf man das verstehen?Nun, bevor ich das Angebot für "24" bekam, war meine Karriere nicht gerade auf einem Höhepunkt. Und auch mein Privatleben war alles andere als geregelt. Ich habe zu viel getrunken, mich in Bars geprügelt und war auch sonst nicht sonderlich stolz auf meinen Lebenswandel. Dank "24" habe ich meinen Weg zurück auf die richtige Spur gefunden.Sie meinen, Sie trinken und prügeln nicht mehr?Natürlich schütte ich mir gelegentlich noch schön gepflegt einen hinter die Binde. Allerdings wesentlich seltener als früher, da ich nachts oft erst sehr spät mit den Dreharbeiten fertig bin. Prügeln tue ich mich allerdings nur noch vor der Kamera, in dieser Hinsicht bin ich abstinent.Fühlen Sie sich mit 39 Jahren zu alt für das Ihnen lange angeheftete Image des Bad Boys?Absolut. Zum Glück wird man mit dem Alter reifer und klüger. Ich hatte ziemlich wilde Jahre, vor allem in meinen Zwanzigern. Es gab Zeiten, da habe ich absolut nichts ausgelassen. Heute brauche ich diesen Lebensstil in diesen Ausmaßen nicht mehr. Ich habe die meisten Laster abgeschüttelt.Sie rauchen wie ein Schlot.Ja, ich habe noch nie aufgehört und werde das auch niemals versuchen. Ich brauche meine tägliche Dosis Nikotin.Wieviele Packungen verqualmen Sie pro Tag?Ein bis zwei gehen schon drauf. Das hängt auch von meiner Stimmung ab.Sind Sie ein launischer Mensch?Ich denke schon. Wenn ich schlechte Laune habe, bin ich jedenfalls eine ziemliche Zumutung für meine Umwelt.Was bringt Ihre Stimmung auf den Tiefpunkt?Mein eigenes Benehmen.Wie bitte?Manchmal gibt es Momente, in denen ich mich für mein eigenes Handeln echt schäme. Meistens dann, wenn ich zu tief ins Glas geguckt habe und unter Alkoholeinfluss dumme Dinge anstelle.Zum Beispiel?Einmal habe ich in einer Bar gestrippt. Peinlich. Und in einem Londoner Hotel bin ich letztes Jahr in einen riesigen Weihnachtsbaum gesprungen und habe ihn samt Schmuck umgeschmissen.Das klingt nach reichlich AlkoholZiemlich, ich habe anschließend den Schaden bezahlt, und das Hotel hat auch cool reagiert. Aber am Morgen danach plagt mich in solchen Situationen das schlechte Gewissen, weil ich mich frage, was wohl meine Tochter von mir denken wird, wenn sie davon erfährt.Ist Ihre Tochter Sarah nicht einiges von Ihnen gewohnt?Das ist sie in der Tat. Allerdings habe ich in den vergangenen fünf Jahren weit mehr darauf geachtet, ihr ein vorbildlicher Vater zu sein. Sarah war einer der Hauptgründe, warum ich die Rolle in "24" überhaupt angenommen habe. Sie war 13, als wir die erste Staffel drehten, ein kritisches Alter, mitten in der Pubertät. Anders als beim Film hat mir die Arbeit für die Fernsehserie "24" erlaubt, den größten Teil des Jahres in Los Angeles zu verbringen, wo Sarah bei ihrer Mutter lebt, nicht weit von meinem Haus entfernt. So konnte ich viel mehr Zeit mit ihr verbringen als früher. Ich denke, das war wichtig für sie. Und für mich auch.Sie sind als Kind in einer reinen Schauspielerfamilie aufgewachsen. Wie unterscheidet sich Ihr Verhältnis zu Ihrer Tochter von dem, das Sie zu Ihren Eltern hatten?Nicht sehr, glaube ich. Sarah macht viele Dinge durch, die ich auch erlebt habe. Wenn mein Dad früher zu meinen Baseballspielen kam, haben ihn alle angestarrt, weil er ein bekannter Schauspieler war. Das fand ich einerseits cool, andererseits hat es mich aber auch oft genervt, weil ich weniger Aufmerksamkeit bekam. Heute ist das nicht anders, wenn ich mit Sarah unterwegs bin. Ich habe mit ihr verschiedene Konzerte von Bands wie Incubus besucht. Grausame Musik übrigens. Wir haben eine sehr innige Beziehung, die manchmal stark geprägt ist vom typischen Generationskonflikt. So wie bei meinem Vater und mir früher auch.Wie ist heute das Verhältnis zu Ihrem Vater?Respektvoll würde ich es nennen. Wir telefonieren gelegentlich, aber im Grunde viel zu selten. Irgendwie seltsam, ich nenne ihn eigentlich fast nie Dad, meistens rufe ich ihn nur "Hey." Das sollte ich wirklich ändern.Was bewundern Sie an ihm?Seinen Stolz. Und seine Bodenhaftung. Als ich meine ersten Filmrollen bekam, gab er mir den Rat, niemals zu denken, man hätte es geschafft. Er sagte immer, das sei der Tod der Kreativität eines Schauspielers. Ich habe nicht auf ihn gehört und bin deshalb böse auf die Fresse geflogen. Ziemlich dumm. Mein Vater hat dennoch zu mir gestanden. Er ist ein unglaublicher Typ, eine aussterbende Gattung. Schade, dass ich als Kind nicht mehr Zeit mit ihm verbringen konnte.Sie waren zweimal verheiratet und sind zweimal geschieden. Ist es schwer, mit Ihnen unter einem Dach zu leben?Einfach ist es sicher nicht. Ich bin ein dominanter Mensch und brauche gewisse Dinge in einer gewissen Ordnung. Ich denke, das Thema Ehe ist für mich durch. Mein Leben besteht in erster Linie aus Arbeit. Da bleibt nicht viel Zeit für eine vernünftige Beziehung. Aber das ist meine Entscheidung. |