|
"Ein reaktionärer Charakter" (Süddeutsche / 09.03.2004) Der Schauspieler über seine Rolle als Jack Bauer in "24". Herr Sutherland, 24 wird mit Preisen überschüttet. Sind Sie mit jedem Moment der Serie glücklich?Letztendlich ja, aber bei einigen Szenen ist Überzeugungsarbeit notwendig. Zum Beispiel war ich strikt dagegen, dass meine Frau, also Leslie Hope, am Ende der ersten Staffel stirbt. Wie bei jeder Drehbuchidee, die nicht auf Anklang stößt, gab es lange Diskussionen. Und am Schluss habe ich mich geschlagen gegeben. Denn diese Szene war prägend für die Handschrift von 24. Damit hat das Publikum begriffen: Jeder der Charaktere kann zu jedem Zeitpunkt sterben.Sie ja wohl kaum.Ich bin keine Ausnahme. Sonst wüsste der Zuschauer, dass Jack Bauer immer davonkommt, wenn er in eine schlimme Situation gerät. Das würde der Serie die Glaubwürdigkeit nehmen.Ohne Jack Bauer gäbe es 24 doch überhaupt nicht.Die Serie kann noch zwanzig Jahre lang mit unterschiedlicher Besetzung weitergehen. Nicht ich bin der Star, sondern das Echtzeitformat. Wir Schauspieler stellen uns ihm nur zur Verfügung.Vor der zweiten Staffel war unklar, ob das Format erhalten bleibt.Fox, der amerikanische Sender, der 24 produziert, glaubte, dass mit in sich abgeschlossenen Folgen ein noch größeres Publikum erreicht werden könnte. Das war natürlich absurd, und es wäre auch Verrat gewesen. Die Medien hätten uns gekillt.Haben Sie geglaubt, dass 24 ein Erfolg werden würde?Ich dachte, ich drehe ein hochinteressantes Projekt, kassiere mein Geld und das war"s. 24 erschien mir viel zu neuartig, als dass sich ein größeres Publikum dafür interessieren könnte.Bauer wird ab der zweiten Staffel noch ruppiger und brutaler. Warum?Ich mag es, einen Helden zu spielen, der auf so vielen privaten Ebenen versagt hat, als Vater, als Ehemann. Das schafft eine fantastische Dynamik. Und die wird durch seinen reaktionären Charakter noch verstärkt. Denn einige seiner Impulse sind falsch, und sein Handeln kann fatale Folgen nach sich ziehen.Sie möchten also keine positivere Figur abgeben?Unter diesen Umständen kann sich Jack nicht positiv verhalten. Nach dem, was er in der ersten Staffel durchgemacht hat, legt er sich keine moralischen Beschränkungen mehr auf. Und die Gewalt, die in der zweiten Staffel zugegebenermaßen noch stärker ausgeprägt ist, verstärkt diese Intensität.Wann wird aus 24 ein Franchise-Unternehmen wie Star Trek oder X-Files mit Zusatz-Serien und Kinofilmen?Das wissen die Produzenten besser. Ich persönlich halte es für keine gute Idee, hier noch andere Formate dranzuhängen. Das verwässert die Geschichte nur. Es ist schon schwer genug, aus dieser einen Serie das Optimale herauszuholen. |